This is what I should have said

© dietintenfisch

This is what I should have said

But didn’t.

This is me turning back time.

This is me creating an alternate universe.

 

Where you treat me with respect and don’t break up with me via E-mail,

Where you’re decent enough to at least give me a call from the long distance.

Where you don’t tell me that you love me, only to dream of someone else.

Where I tell you all the things I hate about you;

 

Like your constant tardiness,

Like the fact that you order for me without asking me what I want,

That you think all Austrians are rich and can afford everything and that I am spoiled,

That you lure me in and tell me things I want to hear, and you make me believe them because

you want to believe them yourself.

That you lie to me to lose your virginity.

 

This is what I should have said, but didn’t;

 

FUCK YOU!

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Grüne Brille

© dietintenfisch

Wer spricht?

Ach du bists.

Ich hab nichts von dir gehört seit-. Naja, schön, dass du mit mir sprichst. Deine Stimme klingt anders, irgendwie abgeklärter, irgendwie fremd. Durch das offene Fenster kommt Vogelgezwitscher herein und ein bisschen Wind. Ich lausche dir, den Vögeln und dem Wind zugleich. Ein Knarren unter deinen Füßen, beim Betreten der Holzbodendielen. Ich raschle mit einer Käseverpackung herum, du verschiebst deine Tasse. Meine Gabel stößt an meinen Teller und es klirrt, ich rutsche mit dem Sessel nach hinten und es quietscht. Die Heizung rauscht und der Kaffee kocht. Du sagst etwas, aber was liegt dazwischen? Du redest über alte Zeiten, räusperst dich und nimmst einen Schluck Wasser, gluck. Wir lachen, das Radio ist an. Ich mache die Kühlschranktüre auf, klonk.  Wasser rinnt in einen Krug, du redest noch immer. Deine Stimme war früher ein Glockenspiel, jetzt ist sie eine Lautsprecherdurchsage. Ich dachte, Frauen kommen nicht in den Stimmbruch. Jemand geht telefonierend vorbei und mogelt sich für einen Moment zwischen unsere Stimmen, zwischen unser Gespräch, wir halten inne. Stille existiert nicht. In einem vollkommen stillen Raum hört man sein Herz klopfen und das Blut zirkulieren. Irgendwo piepst etwas, dein Handy vibriert, du schaltest es aus, klick. Plötzlich fängst du wieder an zu reden, lauter, voller Elan diesmal, du klingst fast wie ein Sopran. Deine Stimme überschlägt sich, Königin der Nacht artig und auf einmal schweigst du. Meine Finger klopfen auf den Tisch, ich höre deinen Atem, drei Sekunden ein, fünf Sekunden aus. Im Radio läuft eine Sonate von Bach, ich weiß nicht mehr welche.

Charakterisierung

© dietintenfisch

Veronika Sandleitner ist 46, arbeitet als Taxifahrerin, trägt ihre Haare kurz und große kriesförmige Ohrringe. Ungeschminkt geht sie nicht aus dem Haus. Sie sammelt Elfenbeinschachfiguren und sortiert ihr Gewürzregal alphabetisch. Sie wohnt mit ihrer Affäre Paulus, einem schweigsamen, Pfeife rauchenden, norwegischen Fischer, der regelmäßig Wien verlässt, um in der Nordsee zu angeln. Er riecht nach Meeresfrüchten. Veronika kann nicht ohne diesen Geruch einschlafen und hat dewegen ihr Schlafzimmer in eine Fisch- und Meeresfrüchteräucherkammer umfunktioniert. Sie besitzt 143 Schachfiguren, bis zu ihrem Lebensende will sie 200 erreichen. Sie findet wahre Freundschaft bedeutet die Perserteppiche für einander zu reinigen, weil sie viele Hausstaubmilbenallergiker kennt. Veronika mag es, wenn ihr Ohrringe im Wind wackeln und wenn ihre Finger frischen Brotteig spüren. Jeden Mittwoch bäckt sie Brot, meistens mit Kümmel. Sie kauft ausschließlich Schminke von Jade, weil sie sensible Haut hat. Sie denkt manchmal darüber nach, wie ein Leben mit Kindern wäre und beschließt dann lächelnd, dass sie glücklich ist. In ihrer Wohnung steht ein Aquarium, Hans, Gisela und Trond sind ihre Lieblinge.

Eva Müller

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Er saß in dem kleinen Café das er mochte, rührte in seinem Kakao und dachte an seine Frau. Er sah ihr Gesicht vor sich, ihre niedlichen Lachfalten, ihre tiefen Augen und ihr Strahlen. Während er einen Schluck von seinem Heißgetränk nahm und über den Rand der Zeitung in seiner Hand hinweg den Kellner beobachtete, der versuchte einen schwierigen Kunden zufrieden zu stellen, erinnerte er sich an die erste Begegnung mit ihr. Er hatte gerade einen dunklen Kinosaal verlassen, nach einem Film der ihm viel abverlangt hatte. Im Fortwischen einer Träne war er hinausgegangen und sein Blick war auf ein Mädchen gefallen, das lachte. Es lachte stumm, mit seinen Schultern, die unkontrolliert wackelten. Er war einer spontanen Eingebung gefolgt und hatte sie angesprochen. Er war damals neunzehn gewesen, das schien eine Ewigkeit her zu sein. Er hatte sich nie für etwas Besonderes gehalten, er war ganz und gar gewöhnlich, wie sein Name, Florian Müller, schon verhieß. Aber wenn er auf etwas in seinem Leben stolz war, dann war es, dass er damals in diesem flüchtigen Moment den Mut besessen hatte, Eva anzusprechen.

Zusammen-egal was kommt

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„Was soll ich dazu sagen?“ frage ich mich und sehe dir dabei zu, wie du dich immer weiter in deinen Strudel aus Abhängigkeit, Pflichtgefühl und Abscheu verstrickst.

„Du bist niemandem etwas schuldig“, denke ich und sage es dir auch. Du zuckst mit den Schultern, ja, ja das weißt du ja.

„Lass das nicht mit dir machen, lass so nicht mit dir umgehen.“

Du weißt ich habe Recht, oft, aber jetzt vor allem.

Du kommst nach Hause, geladen mit schlechter Laune und die Luft wird dick. Später reden wir und du begreifst, dass das auch für mich eine Belastungsprobe ist, dass ich Nerven aus Stahl brauche und eigentlich auch habe. Normalerweise. Wenn da nicht meine Gesundheit wäre, die mir immer wieder heimtückisch ein Schnippchen schlägt, mich auf eine emotionale Achterbahn führt und unzählige schlaflose Nächte durchleben lässt.

Schlechte Laune prallt auf durch Schlafentzug erschaffene Gereiztheit und die Explosion ist perfekt.

Was soll ich dazu sagen? Das ist was Liebe bedeutet. Dicke Luft ist Liebe. Liebe ist miteinander wachsen, schwierige Phasen durchstehen und einander näher kommen. Hundert Prozent, ganz. Zusammen-egal was kommt.

Beim Lesen beobachtet

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Du lachst ehrlich und erschrickst ehrlich, du machst Geräusche des Unglaubens, du bist verstört, kannst nicht aufhören weiter zu lesen, das ist die Magie dieses Buches, die schon so viele vor dir gepackt hat. Ich bin glücklich dir zuzusehen, wie du alle Emotionen durchläufst, die ich auch hatte, als ich diese Zeilen zum ersten Mal las. Ich freue mich, weil ich jetzt endlich mit dir darüber reden kann, mit dir teilen kann, was ich so liebe. Und ich bin ein bisschen traurig, weil ich durch dich vor Augen geführt bekomme, dass ich nie wieder den Moment haben werde, in dem ich zum ersten Mal diese Geschichte lese. Dieser Moment in dem das Erstaunen größer ist, das Lachen unverhoffter, das Weinen schlimmer und das Erschrecken extremer, als jemals wieder. Dieser wunderbare Moment des ersten Entdeckens, den ich nicht wieder bekommen kann, egal wie sehr ich es mir wünsche.

Meine kleine, heiße Schwalbe

© dietintenfisch

Meine kleine, heiße Schwalbe

Seit sie sich erinnern konnte, mochte sie Vögel. Allgemein, liebte sie Geschöpfe, die fliegen konnten, aber im Besonderen Vögel. Sie wusste nicht, woher diese Vernarrtheit kam, irgendwie war sie einfach da.

Menschen waren kompliziert. Vögel waren ehrlich. Wenn sie neugierig waren, oder hungrig, kamen sie herbei, schauten zum Fenster herein, oder näherten sich einem im Park. Und wenn sie nicht mehr verweilen wollten, flogen sie einfach davon. Wie oft hatte sie sich schon gewünscht, einfach so ihre Flügel ausbreiten und wegfliegen zu können? Dann würde sie aufsteigen, in die Lüfte, und über allem schweben, alles hinter sich lassen. Die Geräusche der Stadt, die Motoren, die Stimmen, die Menschen. Alles würde plötzlich ganz klein werden, kleiner und immer kleiner, bis sie all die bunten Punkte nicht mehr voneinander unterscheiden würde können.

Sie beneidete die Vögel. Und dachte an letzten Sommer. Eine Schwalbe war durch ein Fenster herein geflogen und hatte sich beim Anschlagen an einem Möbelstück, den Flügel geprellt. Das Tierchen hatte sich vor Angst am Boden gekrümmt, mit seinem Schnabel um sich gehackt, beim Versuch es anzufassen. Sie hatte schließlich ein paar Körner in der Wohnung verstreut und die Schwalbe hatte sie gierig aufgepickt. Der Vogel hatte sich schlussendlich anfassen lassen, ganz sanft, und dabei hatte sie gemerkt, wie heiß der kleine Körper gewesen war. Sie würde diesen Tag nicht mehr vergessen, an dem sie ihre kleine, heiße Schwalbe getroffen hatte. Nach drei Tagen der Stärkung durch Körner und Wasser und einem anschließenden leicht unbeholfenen Start, war die Schwalbe zurück ans Fenster geflogen, hatte einen Moment ihr Köpfchen zurück gewandt, wie um zu sagen, „Schau, wie toll ich fliegen kann“. Danach folgten das majestätische Ausbreiten der Flügel und das Absetzen, hinauf in die Lüfte. Und dann war das Vögelchen verschwunden.

Die Schwalbe mochte sie verlassen haben, aber nicht die Erinnerung an sie. Seitdem ließ sie jeden Tag ihr Fenster offen, egal, ob Winter oder Sommer, und wartete auf ihre kleine, heiße Schwalbe.  Sie hatte ein paar neugierige Besuche von Tauben und Spatzen bekommen, daher hatte sie sich angewöhnt stets ein Stückchen Brot am Fensterbrett liegen zu haben. Einmal hatte sogar eine Krähe bei ihr vorbei geschaut, weil ihre Eltern sie aus dem Nest geschmissen hatten, damit sie das Fliegen lernte. Aber es schien, als wollte sie das Fliegen noch nicht lernen. Sie hopste herum, auf ihren langen, dürren Beinen und bedienter sich ihrer Flügel nur wenn es nicht anders möglich war. Ihr Flug glich dem Gang eines Betrunkenen. Taube, Spatz, Krähe, Schwalbe. Sie wartete auf ihre kleine, heiße Schwalbe, mit dem geprellten Flügel. Aber sie kam nicht.