Amandas Geheimnis

dietintenfisch ©

Epilog:

Jonathan trat durch die Türe und erblindete einen Moment, weil sich der Wechsel von der Dunkelheit der Kirche zum Mittagslicht des Gartens für ihn zu schnell vollzogen hatte. Nach einigen Sekunden und heftigem Blinzeln erkannte er Schemen. Da war ein Blumenbeet; Rosen; und ein Mann, der es pflegte. Er trug eine Mönchskutte und einen Hut gegen die Hitze. Die Kutte, die an Pater Mairiere so stramm ausgesehen hatte, verschluckte ihn beinahe. Seine Hände waren voller Erde, er war dabei die Rosen mit einer überaus großen Gartenschere zu Recht zu schneiden. Er summte lächelnd vor sich hin. Er sah verdammt jung aus. Violetta und Clarissa kamen hinter ihm her, Violetta stützte die ältere Frau. Sie warf einen Blick auf den Mann im Rosenbeet, prüfend, dann mit Wiedersehensfreude. Bevor sie auf ihn zu stürmen, oder nach ihm rufen konnte, reagierte Jonathan.

„Herr Korn?“, fragte Jonathan vorsichtig.

Er war ein paar Schritte weiter nach vorne getreten, so dass Emil ihn aber nicht Violetta und Clarissa sehen konnte, die vor der Türe, hinter der Ecke warteten.

Das Summen verstummte, der Mann ließ die Schere sinken und drehte sich zu ihm um.

„So hat mich lange niemand mehr genannt“, sagte er und es wirkte als wäre er selbst überrascht vom Klang seiner Stimme.

„Sie sind ein schwer zu findender Mann.“

„Ja“, er nickte leicht, sein Lächeln war verschwunden.

„Mein Name ist… Jonathan. Ich schreibe eine Reportage über Waisen in Klöstern. Ich wollte ihnen ein paar Fragen stellen“, sagte Jonathan weil ihm nichts Besseres einfiel.

„Für welche Zeitung schreiben Sie?“

„Für den Standard“, Jonathan war überrascht wie leicht ihm das Schwindeln fiel.

„Ich spreche nicht mit Journalisten über mein Privatleben. Ich spreche mit niemandem über mein Privatleben.“

Jonathan war sich sicher, dieser Mann war sein Bruder. Er hatte Amandas Gesichtszüge. Jonathan lächelte. Wenn jetzt nur Hannah bei ihm wäre.

„Ich verstehe.“

„Außerdem sind Sie falsch informiert. Ich bin kein Waise.“

„Verzeihen Sie bitte die Störung. Ich dachte nur sie hätten vielleicht gerne Ihre Lebensgeschichte erzählt. Schließlich passiert es nicht alle Tage, dass-“.

Bevor er den Satz beenden konnte, stürzte Violetta hinter der Ecke hervor und schrie um Hilfe. Clarissa war in Ohnmacht gefallen. Emil erkannte seine Schwester, schien einen Moment verunsichert, ob er nicht träumte und dann eins und eins zusammen zu zählen.

 

 

 

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