Griechische Hitze

dietintenfisch ©

Ich bin jedes Mal wieder sprachlos beim Anblick des Meeres. Mein Kopf tut weh. Er kann den Wechsel von arktisch drinnen, zu tropisch draußen nicht verarbeiten, außerdem bin ich übernachtig. War ganz unnötig aufgeregt wegen meiner Reise, konnte erst um 1h schlafen, fünf einhalb Stunden später musste ich schon wieder auf. Ich habe eine Cheese pie verspseißt und eine halbe Spinach pie nachgeworfen; ich trinke genug Wasser, Kopfweh hab ich trotzdem. Das Meer! Ich auf einem dieser großen Schiffe. Das letzte Mal ist eine Weile her. Bald setzt sich dieser Kolloss aus Eisen und Metall in Bewegung und durchstreift den weiten Ozean. Ich sehne mich danach. Will ihn endlich wieder auf meiner Haut spüren, sein Salz in Haaren und Augen-seine Stille in den Ohren. Ich kann nicht anders als mich an Kindertage, Jugendtage zurück erinnern. Ich war neun Jahre nicht mehr hier. Was hat sich verändert? Eine Fähre schleicht vorbei, dampft und macht Wellen. Ich denke an die Titanic. Die Anreise verläuft bisher reibunglos, bis auf meine enorme Müdigkeit. Wir legen ab, es ist heiß. Etwa zwanzig Minuten verspätet. Ein Mann am Nebentisch beobachtet mich, sein Getränk ist rot. Er sieht aus wie ein Amerikaner. Die Stadt, das Festland beginnt zu verschwinden; das Licht an Deck geht an. Sinnlos, die Sonne ist noch nicht untergegangen, jetzt ist es doppelt hell. Erste Veränderung: Auch auf Schiffen werden den Passagieren jetzt Sicherheitsvorkehrungen präsentiert. Ein Mann zeigt vor wie man eine Schwimmweste richtig anlegt. Links von mir Meer, nichts als Meer. Ich schwitze. Meine Kopfschmerzen sind verflogen, ich vermute die Klimaanlage. Es ist kein Wasser im Pool. Ich schwitze. Freude über eine Dusche nach der Ankunft ist enorm. Rauchen an Deck ist erlaubt. Das wundert mich. Die Eismarke an Deck ist dieselbe wie vor neun Jahren. Ich schaue das Meer an. Sonnenuntergang am Meer und leichter Wind.

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2 Kommentare

  1. Dein Text hat mich, wie schon gesagt, mitgerissen, der Kurzatmigkeit wegen; auch weil er mich an meine eigene Unbekümmertheit in jungen Jahren erinnert hat, an die unbekümmerte Begeisterung für das Meer. Dieses Erlebnis sei Dir unbenommen. Schreiben ist allerdings etwas Anderes: Schreiben ist eine Art Zwischenschaltung der Welt. Und da kann man nicht so tun, als wisse man nicht, was im Augenblick im Mittelmeer vor sich geht, kann die Augen und das Herz nicht verschließen vor den Geschehnissen. Oder anders gesagt: Wenn man seine Augen und sein Herz davor verschließt, dann sollte man zumindest den Eindruck vermitteln, dass man um diese Hartherzigkeit weiß. Oder man sollte sich einen Job im griechischen Tourismus suchen. Da sind Leute, die sich beim richtigen Anlegen einer Schwimmweste nichts denken, gesucht.

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