Johannes im Wald

dietintenfisch ©

Ja hallo, ich bin der Johannes. Ich erzähl euch jetzt eine Begebenheit aus meinem Leben. Ja also das war so. Ich wohn am Land. Oder in einer ländlicheren Gegend. Wenn man so will. Und da gibt’s viel Natur. Für Stadtmenschen wie euch, ist das wahrscheinlich überhaupt gar nicht nachzuvollziehen, darum beschreib ich das jetzt ein bissl. Ich kann von meinem Haus aus den Forst sehen. Und ich fäll da immer wieder Holz, vor allem im Winter, weil ich da ein Feuer anhab. Aber egal, ich schweif ab. Was ich eigentlich erzählen wollt. Der Forst. Gleich bei meinem Haus. Einmal bin ich da hinein gegangen, weil ich nicht mehr leben wollt. Das war ein ganz ein spezieller Tag gewesen. Einer von den ganz schlimmen. Und ich mein, das spricht jetzt vielleicht nicht unbedingt für meine Charakterstärke aber ich habs nicht mehr ausgehalten, an dem Tag und bin in den Forst, weil ich weinen hab müssen. Und das wollte ich in Würde tun, ohne dass mich jemand sieht oder hört. Und da fand ich so ein Ort, wo außer mir niemand ist, wo es absolut leise ist, abgesehen von den Ästen, die unter meinen Füßen knacken, tät sich anbieten. Da gibt’s so einen Pfad, den ich entlang gegangen bin. Die Äste von den Riesen mit Kronen ham dem Sonnenlicht den Weg versperrt, so dass es den kleinen, steilen Pfad, der sich da so leichtfüßig dahin gewunden hat, nicht erhellen hat können. Da bin ich also gewesen, hab einen Fuß vor den anderen gesetzt und versucht mich zu entspannen. Ich hab die Augen zugemacht und a mal gescheit durchgeatmet. Und diese Luft, die, die hat so speziell gerochen. Und auf einmal hab ich mich an den Kaiserschmarren mit Powidlmarmelade erinnert, den meine Mama in Kindertagen für mich gemacht hat. Das war meine Leibspeise früher. Der hat so einzigartig geschmeckt wie, ja wie sonst nichts auf der Welt. Ich kann den heute noch schmecken und mir die Lippen lecken, weil ich diesen Phantomgeschmack bis aufs Letzte in mir aufsaugen will. – Und dann bin ich kurz stehen geblieben. Hab mich umgeschaut, ein Vogelnest in einem der Stämme über mir entdeckt, und hab übers Leben nachgedacht. Weil, ich mein eigentlich, wirklich eigentlich, geht’s im Leben doch darum, das Beste draus zu machen. Man sollt eigentlich so viel draus machen, in Urlaub fliegen, an die Meerenge von Gibraltar, oder im Gehölz Vögel beobachten und die Luft atmen, nah am Leben sein eben und sich erinnern, dass doch eigentlich alles gar nicht so schlecht ist. Es gibt vielleicht Tage die sind halt nicht so super aber das kann man halt nicht ändern. Dann geht man eben hinaus, in die Natur, zu den Riesen mit Kronen und denkt mal ernsthaft drüber nach, obs einem wirklich so schlecht geht, wie man glaubt. Ja und dann, wenn man trotzdem noch immer nicht mehr leben will, dann kann man ja immer noch die Pistole, oder das Gewehr oder was man halt bevorzugt, aus dem Rucksack nehmen, und sich so richtig schön das Hirn wegblasen. Ein bombastischer Knall sozusagen, der die Stille zerreißt. Und schön viel Blut, das sich dann mit der Erde und den Pflanzen vermischt, bis man nach Tagen von Pilzesuchern gefunden und in die Gerichtsmedizin gebracht wird. Und die Schlagzeile in der Zeitung würd dann heißen: Toter von nichtsahnenden Lustwandlern unter Vogelnest entdeckt. Das gäb eine Auflage, bist du deppert. Jo, das hab ich mir da so gedacht, als ich da gestanden bin. Vielleicht a bissl brutal könnt ma jetzt sagen aber ich bin halt ein ehrlicher Mensch. Ich bin der Johannes. Ich wohn am Land. Und von meinem Haus aus kann ich den Forst sehen.

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